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Niedersachsens Gartenfreunde tagten in Wolfsburg

Landesverbandstag war Leistungsschau herausragender Projekte


Alle drei Jahre treffen sich die Mitglieder des Landesverbandes Niedersächsischer Gartenfreunde zu ihrem Verbandstag. Am vergangenen Samstag kamen 78 Delegierte im Föhrenkrug der Caritas zusammen.

Der vormittägliche Festakt wurde dabei zu einer Leistungsschau herausragender Projekte. Joachim Roemer, Präsident des Landesverbandes, ehrte Vereine aus drei Städten für Projekte zum Thema Integration von Flüchtlingen. Die Auszeichnung erhielten die Gartenfreunde Moorfeld aus Lüneburg für ihren Kulturgarten. Dort gärtnern Studierende und Flüchtlinge gemeinsam. Die Deutsche Umwelthilfe zeichnete das Projekt als „Garten der Integration“ aus.

In Osnabrück engagieren sich die Vereine Deutsche Scholle und Süd durch die Bereitstellung von Gärten für Flüchtlinge und die Förderung der Gemeinschaft im Verein. Das Projekt „Querbeet“, als Kooperation mit terre des hommes und der Outlaw gGmbH durchgeführt, erhielt 2016 den Kinderhabenrechtepreis. Aktuell entsteht in der Parzelle Sonneneck des Kleingärtnervereins Süd ein interkultureller Begegnungsgarten.

Für ihre Flüchtlingsinitiative ausgezeichnet wurde ebenfalls der Verein Detmerode aus Wolfsburg. Gemeinsam bauten Kleingärtner und Flüchtlinge fünf Hochbeete. Die Gartenfreunde stellten das Saatgut zusammen, die Stadt Wolfsburg hatte das Baumaterial geliefert. So kam man schnell miteinander ins Gespräch.

Eine weitere Auszeichnung erhielt der Kleingärtnerverein Riepenbach aus Hameln für sein Projekt NEST. An 14 Stationen der Naturerlebnisstätte gibt es Natur erleben pur. Gemeinsam mit dem Naturschutzbund (Nabu) hat sich der Verein auf den Weg gemacht, die heimische Tier- und Pflanzenwelt im Einklang mit einer naturnahen kleingärtnerischen Nutzung auch für die Öffentlichkeit erfahrbar und beobachtbar zu präsentieren.

Mit der höchsten Auszeichnung des Landesverbandes zeichnete Joachim Roemer drei Gartenfreunde aus. Die Ehrennadel erhielt der Vorsitzende des Bezirksverbandes Wolfsburg und des Kleingärtnervereins Fallersleben Ost Friedrich Grünberg für sein unermüdliches Wirken für das Kleingartenwesen. Friedrich Grünberg war auch im Landesvorstand aktiv, unter anderem als Vizepräsident. Karl-Heinz Preuß wurde für 32 Jahre Vorstandstätigkeit als Kassierer im Kleingärtnerverein Wellekamp geehrt. Peter Heinze hat sich als Vorsitzender des Bezirksverbandes Lehrte um die Entwicklung des Kleingartenwesens in seiner Stadt sehr verdient gemacht. Insbesondere führte er intensiv die Verhandlungen mit der Stadt bei der Umsiedlung von Kleingärten.

Die Ehrenplakette des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde erhielt Jürgen Schulz aus Lüneburg. 56 Jahre war er ehrenamtlich tätig, davon 40 Jahre als Schriftführer und Pressewart im Bezirksverband.

Zu den Ehrengästen der Festveranstaltung gehörten die Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Barbara Otte-Kinast und Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs. Mohrs betonte die Bedeutung der Wolfsburger Kleingärten in der grünsten deutschen Großstadt. Vier Jahre nach der Stadtgründung 1938 entstanden die ersten Kleingärten. In den Vereinen ginge es nicht nur um das Gärtnern, sondern auch um die Gemeinschaft, unterstrich der Oberbürgermeister. Wo 146 Nationen zusammenleben, da ist Integration eine große Herausforderung. Der Stadt Wolfsburg sei des Anteils bewusst, den die Kleingärtner dazu beitragen. Mohrs verschwieg nicht, dass vereinzelt auch Kleingärten für Wohnbebauung weichen müssten. Er versprach jedoch, dass auch über die Schaffung neuer Anlagen nachgedacht werde.

In ihrer Festrede ging Ministerin Otte-Kinast auf die Bedeutungen des Kleingartenwesens ein, die insbesondere in den Wettbewerben deutlich würden. Die Gartenfreunde Ochtersum aus Hildesheimer vertreten in diesem Jahr als Landessieger Niedersachsen im Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“.

„Sie haben gute Chancen, ganz vorne mit dabei zu sein“, ist sich die Ministerin sicher. „Sie haben im Landeswettbewerb gezeigt, dass Sie die Anforderungen des Wettbewerbs in besonderer Weise erfüllen. Ihre städtebaulichen, ökologischen, gartenkulturellen und sozialen Leistungen setzen über die Grenzen Ihrer Gartenanlage hinaus positive Impulse nicht nur in Hildesheim. Sie sind beispielgebend und nachahmenswert in ganz Niedersachsen.“

Die niedersächsischen Kleingärtnervereine sind für die Ministerin wichtige Partner beim Thema Biodiversität. Sie lud dazu ein, gemeinsam mit dem Umweltministerium und dem Bund für Umwelt (BUND) an einem gemeinsamen Projekt zur Steigerung der Insektenvielfalt mitzuwirken.

Eine wachsende Bedeutung des Kleingartenwesens sieht Joachim Roemer. Kleingartenanlagen sind fester Bestandteil der grünen Infrastruktur. Die Standorte müssen gesichert und ihre Wirkungen für die Biodiversität und den Klimaschutz gesteigert werden. Ganz besonders hob der LNG-Präsident die Rolle der Mitglieder in ihren Vereinen hervor. „Alle Vereinsmitglieder müssen sich ihrer Aufgabe bewusst sein. Gemeinsam gelte es, das Vereinsleben zu gestalten und Projekte umzusetzen. „Mit unseren 26.000 Mitgliedern in 273 Vereinen sind wir in Niedersachsen eine starke Organisation.“ Die gemeinsame Freizeitgestaltung im Grünen, das gemeinsame Gärtnern sind fantastische Möglichkeiten zum sozialen Miteinander und zur Integration von Menschen aus den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Familien mit Kindern rücken dabei immer mehr in den Vordergrund. „Kleingärten sind ein Beitrag zu mehr Umweltgerechtigkeit.“ Sie bieten besonders in den Stadtteilen öffentliches Grün, wo der Anteil und der Zugang zum Grün am geringsten seien. Das sei gerade für Kinder und Jugendliche wichtig. Hier können sie Natur erleben und begreifen.

Auf der Mitgliederversammlung im Nachmittag stellten die 78 Delegierten die Weichen für die nächsten drei Jahre. Zu einer der wesentlichen Aufgaben des Landesverbandes gehört die Betreuung der Mitglieder. Dazu werden Seminare angeboten zum fachgerechten Gärtnern und zur Führung und Verwaltung der Vereine. Aktuell werden sich auch die Kleingärtnervereine mit der neuen Datenschutzgrundverordnung beschäftigen müssen. Im Juni werden die Bezirksvorsitzenden mit dem Landesvorstand zusammenkommen um die gemeinsamen Ziele und Projekte zu konkretisieren.

Turnusmäßig wählten die Delegierten den Vorstand des Landesverbandes.

Zum Präsidenten wiedergewählt wurde Joachim Roemer aus Lüneburg. Wiedergewählt wurden der Vizepräsident Wolfgang Schünemann aus Hameln, Schriftführer Burkhard Balkenhol aus Celle, Landesgartenfachberaterin Miriam Soboll aus Hannover und Vorstandsmitglied Peter Kahle aus Holzminden. Manfred Ebs aus Cuxhaven ist neuen Schatzmeister und Jörg-Martin Rassow neues Vorstandsmitglied.

Die nahezu einstimmigen Wahlergebnisse zeigen das große Vertrauen der Delegierten in den Vorstand. Joachim Roemer versprach, dass der Vorstand als Team sein Bestes für den Verband geben werde. Dabei wünsche er sich eine Zusammenarbeit im gegenseitigen Respekt mit Gelassenheit und Freude, denn: „Wir alle arbeiten ehrenamtlich. Und Ehrenamt muss Spaß machen!“

Joachim Roemer



Weitere Informationen zum Landesverband im Internet unter www.gartenfreunde-niedersachen.de.




Geehrte Gartenfreundinnen und Gartenfreunde, die an der internationalen Grünen Woche in Berlin in 2017 und 2018, das Kleingartenwesen vertreten hatten.


Aus dem Bezirksverband der Kleingärtner Celle waren vertreten zweite v.l. Barbara Prellwitz, zweiter v.r. Siegfried Janz und rechts Sabine Czoske.


Bild: Roland Schneider Bilderraum Fotostudio